Selbstständig mit Kind: 6 Learnings aus 6 Jahren Selbstständigkeit

Hinter mir liegen 2022 sechs Jahre, in denen ich selbstständig mit Kind(ern) bin. Ich habe zu Beginn meiner Selbstständigkeit all das gemacht, was man nicht tun sollte: Ich hatte kein Eigenkapital. Keine Rücklagen. Ich hatte keine Kontakte und kein Netzwerk. Meine Preise waren zu niedrig und ich hatte keinen Businessplan. Zu allem Überfluss war ich auch noch schwanger und mein Mann in Ausbildung. Jede Person, der ich von meiner Selbstständigkeit erzählte, hielt mich für verrückt. Aber ich habe es gewagt – weil ich schwanger und arbeitslos war und sowieso keine andere Wahl hatte. Viel wichtiger aber: Weil ich nichts mehr wollte als dass es klappt. Jetzt, sechs Jahre später, teile ich meine wichtigsten Learnings mit dir.

Selbstständig mit Kind #1: Dich selbst zu priorisieren macht deine Arbeit besser

Der wohl häufigste Fehler, den Selbstständige machen, ist sich selbst hinten an zu stellen. Klar, selbst und ständig, wer nicht arbeitet, verdient auch kein Geld. Dass Soloselbstständige sich krank sein erst einmal leisten können müssen, ist kein Geheimnis.

Aber: Immer dann, wenn ich in Stress gerate oder versuche, über meine Grenzen hinweg zu arbeiten, merke ich das am Ergebnis. Texte, die vor Flüchtigkeitsfehlern strotzen. Unrunder Content. Ergebnisse, die ich zu Hochzeiten so niemals abgeben würde. Meine Arbeit, meine Texte leiden darunter, wenn ich nicht gut zu mir bin.

Dabei ist es für mich mittlerweile essentiell zu verstehen, dass nicht nur Krankheit ein Grund dafür ist, Pause zu machen. Sondern auch Stress, zu wenig Zeit und zu viel Chaos sind Grund genug, um mal Abstand zu nehmen. Denn aus Sturm und Stress kann in der Regel nur wenig Gutes entstehen. Kreativität braucht Raum im Kopf, um sich zu entfalten.

Ein Sprichwort sagt: „You can’t pour from an empty cup.“ Aus einem leeren Becher lässt sich nichts ausschenken. Mit Kreativität ist das nicht anders. Du kannst deinen Brunnen nicht vollkommen leer pumpen und dann erwarten, dass du aus dem Schlick und Schlamm am Boden klares Quellwasser bekommst. Du musst dem Brunnen hin und wieder Zeit geben, sich neu zu füllen. Wie auch immer das für dich persönlich aussieht – wichtig ist, dir die Pause zu gönnen, BEVOR der Brunnen erschöpft ist.

Nur so kannst du immer Arbeit abliefern, auf die du auch stolz sein kannst.

Selbstständig mit Kind #2: Nur Daily Business bringt dich nicht voran

Es ist unbestritten, dass du in deiner Selbstständigkeit vor allem erst einmal Geld verdienen musst. Deshalb macht es natürlich durchaus Sinn, Kundenprojekte bis zu einem gewissen Maß zu priorisieren. Doch Fakt ist auch: Ohne ein Portfolio eigener Projekte hechelst du von einem Gig zum nächsten.

Willst du dich weiterentwickeln, brauchst du eigene Projekte, die dir die Chance auf Wachstum eröffnen. Vor allem eigene Projekte, die du auch stetig vorantreibst und nicht immer nur dann herauskramst, wenn die Kundenprojekte gerade ausbleiben. Spoiler: Das ist nach wie vor meine schwerste Übung.

Dabei sind eigene Projekte das, was die Kunden und Kundinnen am ehesten zu dir bringt. Du musst da ja gar kein skalierendes Business draus machen. Schon ein regelmäßig gefütterter Blog kann schon ein Projekt sein, das für die Akquisekanal und Spielwiese in einem ist.

Dein eigenes Projekt hat mehrere Vorteile:

  • Es bringt Kund*innen zu dir, statt dass du auf die Suche gehen musst.
  • Du kannst das Projekt so aufstellen, dass es dich als Expert*in für deine Traumprojekte ausweist.
  • Deine Plattform, deine Regeln: Du kannst Neues ausprobieren, gewagte Ideen umsetzen, Experimente machen. Diese Freiheiten hast du bei Kundenprojekten nicht unbedingt.
  • Ein eigenes Projekt bringt in Phasen, in denen du an größeren, langwierigen Kundenprojekten arbeitest, etwas Abwechslung.
  • Unter Umständen lässt sich dein eigenes Projekt sogar zusätzlich zu den Kundenprojekten monetarisieren.

Schaue ich mir all das so an, frage ich mich, warum es mir eigentlich so schwer fällt, das selbst durchzuziehen. (Spaß, tu ich nicht. Ich bin Mutter und ich bin zu viel auf Instagram. Ich WEISS, woran es liegt.)

Selbstständig mit Kind #3: Verkauf dich nicht unter Wert!

Wisst ihr, dass ich die ersten 3 Jahre meiner Selbstständigkeit tatsächlich Projekte dabei hatte, für die ich zwischen 3 und 5 Cent pro Wort bekommen habe? Ich habe so verzweifelt nach Arbeit gesucht, dass ich mich selbst ausgebeutet habe.

Einsteiger*innenpreise sind das eine. Dich selbst auszubeuten das andere. Es ist für deine Gesundheit, aber auch für deine Professionalität essentiell, dass du deinen Stundensatz von vorneherein realistisch kalkulierst. Denk daran: Als Selbstständige*r musst du von deinem Stundensatz auch die Wochenenden, Urlaub, Krankheit und deine Rente bestreiten können.

Mach nicht den Fehler, den ich gemacht habe, und arbeite dich krank, weil du dich nicht traust, von vorneherein einen ordentlichen Stundensatz zu veranschlagen. Darunter leidest du und am Ende auch deine Kund*innen. Denn wer immer nur arbeitet, liefert irgendwann nur noch semigute Ergebnisse. Einen spannenden Artikel, wie du deinen Stundensatz berechnest, hat meine Kollegin Lilli Koisser geschrieben.

Zögere dabei auch nicht, mal nachzuverhandeln. Ich hatte mal einen Kunden, der wollte für seine Texte maximal 7 Cent pro Wort zahlen – hatte aber Unmengen an Ansprüchen und Details, die es zu beachten galt. Ich hab das drei Texte lang gemacht, festgestellt, dass ich maximal ein Drittel der Zeit bezahlt bekam, die ich reingesteckt hab und hab ihm dann ganz klar gesagt: So geht es nicht. Ein Projekt, das sich für mich nicht rechnet, kann ich nicht weiter betreuen.

Zuerst war er (wie zu erwarten war) mittelschwer angefressen und hielt mir noch vor, dass mein damaliger Stundensatz von 75 Euro nett ja völlig überzogen sei und dass nicht einmal Architekt*innen solche Stundensätze aufrufen würden. Wir gingen auseinander und ich sah mich wieder einmal bestätigt, dass ich es mir selbst wert bin, meine Arbeit anständig bezahlt zu bekommen. Aber wisst ihr, was dann passierte?

Drei Monate später bekam ich eine E-Mail von besagtem Kunden. Er hatte es mit anderen Texter*innen probiert, die teilweise sogar noch weniger Geld bekamen – und war mit keinem Text so zufrieden wie mit meinen. Da er nicht mehr zahlen wollte, aber auch wusste, er muss mir entgegenkommen, hat er mir also angeboten, mir die Recherche und Gliederung komplett abzunehmen. Ich muss also nur noch das, was er zusammengetragen hat, ausformulieren.

Was soll ich sagen? Seitdem arbeiten wir hervorragend zusammen. Durch die Zeitersparnis rechnen sich die Texte für mich jetzt wirklich gut und auch das Klima zwischen uns ist richtig gut. Es hat hier einfach nur eine Lernkurve auf beiden Seiten gebraucht: Auf meiner Seite, wie wichtig es ist, für mich einzustehen – und dass ich mich nicht verstecken muss. Auf seiner Seite, dass gute Arbeit ihren Wert hat.

Selbstständig mit Kind #4: Klare Kommunikation ist das A und O!

Als Selbstständige ist in meinen Augen nichts so wichtig wie klare Kommunikation. Egal ob du mit Endkund*innen arbeitest oder als Dienstleisterin – wer spricht, dem kann geholfen werden.

In der Selbstständigkeit mit Kindern oder mit chronischer Erkrankung ist klare Kommunikation über deine Büro- und Abwesenheitszeiten sowie die verfügbaren Kapazitäten die wichtigste Selbstfürsorge, die du dir selbst gegenüber leisten kannst. Du bist deine eigene Chefin – du musst also niemandem etwas beweisen. Man sagt zwar, der Kunde sei König. Aber ich habe für mich einmal beschlossen, dass ich mit Kund*innen, die meine Grenzen nicht respektieren, auch nicht arbeiten möchte. Bislang fahre ich sehr gut damit.

Diese klare Kommunikation zeigt auch Respekt den Kund*innen gegenüber. Wenn du vor einem Projekt klares Erwartungsmanagement betreibst, wisst ihr beide, woran ihr seid. Meiner Erfahrung nach können Kund*innen besser damit umgehen, von vorneherein gewisse Abstriche oder Verzögerungen in Kauf zu nehmen, als wenn du Versprechen machst, die du nicht halten kannst.

Auch in Sachen Fehlerkultur gehört eine offene Kommunikation dazu. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Es ist unvermeidbar, dass dir Fehler unterlaufen. Ich habe erst neulich eine Entschuldigung an einen Kunden geschickt, weil ich eine E-Mail mit einem Briefing übersehen habe und den Text dann erst 6 Wochen später abgeliefert habe. Das war uncool – aber das passiert. Wir sind alle nur Menschen.

Ich habe also, sobald ich die E-Mail gesehen hatte, eine Nachricht an den Kunden geschickt, den Fehler eingeräumt und versichert, mich zeitnah darum zu kümmern. Weil ich ein Fan von Kontext bin, habe ich offen geschildert, dass wir im Februar alle sehr krank waren und dann so viele E-Mails in der Zwischenzeit aufgelaufen waren, dass mir die Mail trotz „Fähnchen“ einfach untergegangen ist. Der Kunde, der zum Glück keinen Zeitdruck hatte, hat sich amüsiert und nun über den abgegebenen Text gefreut. Ende gut, alles gut.

Selbstständig mit Kind #5: Nichts schlägt ein gutes System!

Selbstorganisation ist in der Selbstständigkeit sowohl das A und O als auch die größte Herausforderung. Klar, Projektdeadlines und solche Dinge wie Kita-Zeiten setzen einen groben Rahmen für deinen Arbeitsalltag. Aber darüber hinaus sagt dir niemand, wann du was erledigen musst. Du selbst bist die Anführerin dieser Expedition.

Umso wichtiger ist es, dass du für dich ein System findest, das dir deinen Arbeitsalltag erleichtert und gleichzeitig sicherstellt, dass du alles schaffst. Die besten Vorsätze und Ziele nützen nichts, wenn du kein System hast, das dir hilft, auf der Spur zu bleiben. Das sehe übrigens nicht nur ich so – auch meine Kollegin Kato hat das so schon einmal festgehalten. Gerade, wenn du selbstständig mit Kind unterwegs bist, ist ein gutes System unerlässlich.

Etabliere für dich selbst also feste Routinen. Das kann eine Struktur für den gesamten Arbeitstag sein als auch ein System, mit dem du Projekte strukturierst und abarbeitest. Ich bin beispielsweise großer Fan eines Wochenplanes bzw. einer Monatsplanung, bei der ich bestimmte To-Do’s auf konkrete Wochentage plane. So behalte ich einen guten Überblick darüber, wie viel Arbeit ich schon habe und welche Projekte ich ggf. noch annehmen kann.

Lege das System vor allem für die Stolpersteine aus, die dein Leben mitbringt. Du weißt, dass du nach dem Aufstehen dazu neigst, bei Social Media zu versacken? Dann überleg dir eine Routine, die dich nach dem Aufstehen schon so in den Tag begleitet, dass Social Media gar keine Rolle spielt.

In meinem Fall ist das neben dem Wochenplan die Routine fürs Texten, die mir hilft, meine größten Stolpersteine – Kinder und Fatigue – möglichst zu umschiffen, wo es nur geht. Ich gliedere Textprojekte immer in einzelne Arbeitsschritte. Das hat den Vorteil, dass ich diese einzelnen Arbeitsschritte gut separat erledigen kann, wenn ich durch die Kinder wenig Zeit oder durch die Fatigue wenig Kraft habe, und trotzdem aktiv auf das Ergebnis hinarbeite. Diese Arbeitsschritte kann ich im Zweifel auch auf einzelne Tage verteilen, sodass ich mir mit meinem Wochenplan einen konkreten Überblick darüber verschaffen kann, wann welches Projekt ansteht bzw. beendet ist.

Selbstständig mit Kind #6: Sei situationsflexibel!

Jede gute Planung und all die Vorbereitung nützt manchmal nichts: Vor allem in der Selbstständigkeit mit Kindern oder mit chronischer Erkrankung kann es dir passieren, dass du von jetzt auf gleich alle Pläne über den Haufen werfen musst. Hierbei nicht den Kopf zu verlieren, ist die wahre Kunst.

Wichtig ist, dass du dir immer genug Puffer für Unvorhergesehenes einplanst. Wenn du den Puffer nicht brauchst – umso besser. Aber wenn er dann mal nötig ist, wirst du dankbar dafür sein, dass er da ist. Gleichzeitig hilft dir der Puffer, bei spontanen Planänderungen nicht direkt in blinden Aktionismus zu verfallen. Hilfreicher, als alles auf einmal machen zu wollen: Einen Schritt zurücktreten, Situation sacken lassen uns atmen.

Für mich sind spontane Planänderungen immer herausfordernd. Ich hab da eine dezente Anpassungsstörung und reagiere dann schnell mit überschäumenden Emotionen. Nicht gleich die Flinte ins Korn zu werfen, sondern erst einmal zu atmen, ist meine wichtigste Übung.

Eine gesunde Portion Akzeptanz ist da durchaus hilfreich. Es ist wie es ist wie es ist. Der Katastrophenmodus, nach dem es sich zuerst anfühlt, tritt am Ende doch selten ein. Gerade als deine eigene Chefin wirst du immer wieder vor Situationen stehen, die sich anders entwickeln als geplant. Dann das Steuerrad nicht aus der Hand zu geben, sondern das Schiff erst recht in ruhige Gewässer zu lenken, ist wahrscheinlich die schwerste, aber wertvollste Herausforderung in jeder Selbstständigkeit – vor allem, wenn du selbstständig mit Kind durch den Alltag navigierst.

Bonustipp: Frage dich regelmäßig, was dich begeistert

Für dich selbst zu arbeiten statt für andere bringt viele Freiheiten mit. Aber auch Verantwortung und bisweilen auch Druck und Stress. Gerade dann, wenn du nicht nur Dienst nach Vorschrift machen und etwas underperformen kannst, weil das Geld ja sowieso kommt, sondern du nur dann bezahlt wirst, wenn du tatsächlich arbeitest, ist es in meinen Augen wichtig, dass deine Arbeit dich begeistert.

Dabei geht es mir nicht darum, dass die Arbeit sich nicht wie Arbeit anfühlen soll. Arbeit fühlt sich IMMER nach Arbeit an. Auch Tage, an denen du absolut keine Lust hast und dich selbst zum Arbeiten förmlich zwingen musst, sind normal. Aber gerade in der Selbstständigkeit ist es in meinen Augen gefährlich, wenn du das Gefühl dafür verlierst, ob du deine Arbeit noch gern machst. Immerhin wirst du nur dann bezahlt, wenn du tatsächlich arbeitest. Niemand bezahlt dich, anders als bei so manchen Angestellten, nur für deine bloße Anwesenheit, selbst wenn du die meiste Zeit des Tages in der Kaffeeküche stehst und quatschst. Aber wenn du immer erst deinen inneren Widerstand überwinden musst, um überhaupt ins Arbeiten zu kommen, arbeitest du gegen dich selbst. Das ist auf Dauer einfach ungesund.

Frage dich also regelmäßig, was dich begeistert, worüber du stundenlang reden kannst, was dir wirklich Freude bereitet. Probier dich aus – gerade als Selbstständige hast du die unschlagbare Möglichkeit, regelmäßig neu zu entscheiden, was du eigentlich machen willst. Nutze sie. Folge dem, was dich begeistert und finde heraus, ob du davon leben kannst.

Zero-Bullshit und eine starke Community: Das „Mach es fix!“ Mentoring

Du bist Mutter oder chronisch krank und stehst gerade am Anfang deiner Selbstständigkeit oder überlegst, ob du den Schritt gehen willst und brauchst noch Unterstützung? Im „Mach es fix!“ Mentoring hast du die Möglichkeit, mit vier anderen Frauen und mir zusammen drei Monate lang an deinem Business zu arbeiten. Das Besondere? Ich verkaufe dir keine 24/7-Hustle-Modelle oder Affirmationen, sondern biete dir konkrete Learnings für fast jeden Stolperstein, der sich so auftun kann. Trag dich direkt in den Newsletter ein, damit du als Erste erfährst, wann die nächste Runde startet!

Mehr Infos zum Mentoring sowie regelmäßiger Input in deinem Postfach!

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Celsy ist freie Texterin, Journalistin, Dozentin und Gründerin von Eine fixe Idee. Entweder schreibt sie Ratgeber für Kunden, über Familie, Feminismus und Gesellschaftliches oder sie engagiert sich ehrenamtlich und sozialpolitisch. Dabei hat sie immer eine Tasse Kaffee in der Hand. Wie soll man das Leben mit zwei Kleinkindern denn auch sonst überleben?

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