Frauen*, macht Politik!

Wir stecken mitten im gesellschaftlichen Umbruch und hätten es beinahe verpasst. Durch eine Pandemie auf unsere Sofas verbannt, strengt unsere Generation gerade den größten Mentalitätenwandel der vergangenen vierzig Jahre an. Wir engagieren uns für das Klima und gegen Rassismus, fordern gleiche Rechte und gerechtere Verteilung. Wir sind nicht mehr bereit, hinzunehmen, was uns Kapitalismus und Patriarchat servieren. Wir wollen keine Krümel, sondern den ganzen Kuchen – und ein neues Rezept.

Gerade jetzt ist die Zeit, in der ich mir mehr Frauen* in Entscheidungspositionen wünsche. Aber Frauen* und Politik? Trotz allem politischen Engagement immer noch ein schwieriges Thema. Schau ich in kommunale Parlamente, ist das Bild eintönig – alt, weiß und männlich. Schau ich in den Bundestag, in Landesparlamente, wird das Bild nicht besser. Sicher, es gibt Lichtblicke wie die fantastische Aminata Touré. Aber gerade 2020 würde ich mir wünschen, dass diese Lichtblicke eher Normalität als die Ausnahme wären.

Dabei haben wir das Potential. Vanessa Nakete, Greta Thunberg und Luisa Neubauer retten unser Klima. Nanna-Josephine Roloff und Yasemin Kottra schaffen in Deutschland die Tamponsteuer ab. Zahlreiche engagierte Frauen* und Mütter revolutionieren online und offline unseren Feminismus. Wo sind diese fabelhaften Frauen* also in unseren Parlamenten?

The old boys club

Ich kann es niemandem verübeln, dass die politische Beteiligung fehlt. Also, außer dem System. Denn schau ich in den Stadtrat, schau ich in Landes- und Bundesparlament, dann ist da kaum jemand wie ich. Teilweise niemand. Jung, Mutter, zu Beginn ihres Berufslebens – wenn ich mich dort schon nicht wiederfinde, wie sollen sich Women of Color, Frauen* mit Be_Hinderung oder andere junge Frauen* in der Politik wiederfinden?

Wenn ich mich selbst nicht sehe, fühle ich mich nicht willkommen – das ist die Perspektive der Außenstehenden. Gleichzeitig gibt es auch die Perspektive von innen: Gleich und gleich gesellt sich gern und schafft Strukturen, die Andersartige draußen halten. Gerade Kommunalpolitik ist durchzogen vom männlichen Habitus – rhetorisches Schaulaufen, strategische Winkelzüge, von Eitelkeit geprägte Manöver. Sitzungen ohne Kinderbetreuung zu unmöglichen Zeiten. Das Bier hinterher in der Kneipe, bei dem die relevanten Entscheidungen getroffen werden.

Gewürzt ist das mit anzüglichen Witzen, einer gewissen, selbstsicheren Überlegenheit, dem Bedürfnis, dem naiven Mädchen alles erklären zu müssen. Steht da eine junge Frau, die von ihrem Thema wirklich Ahnung hat, wird die Expertise grundsätzlich erstmal angezweifelt. Wagt diese Frau es auch noch, auf Missstände und misogyne Verhaltensweisen aufmerksam zu machen, soll sie sich ja mal nicht so aufregen. Nicht so ein Fass aufmachen. War ja alles nicht so gemeint.

Frauen*, schafft euch Platz!

Wie lösen wir das Problem? Ich fürchte, das können wir nur selbst. Ja, mich nervt es auch, dass wir Frauen* nun auch noch die Politik retten sollen. Aber Veränderung entsteht nicht von allein. Es gibt mittlerweile auch zahlreiche Männer, denen dieses System zuwider ist – aber solange sie auch davon profitieren, ist es manchmal doch einfacher, es zu reproduzieren, statt es zu verändern. Das bedeutet: Es braucht mehr Frauen*.

Mit jeder Frau, die sich ihren Platz am Tisch erkämpft und die dann auch wirklich intersektional feministisch handelt, öffnet sich die Tür für eine weitere Frau. Wenn ich sehe, da ist jemand wie ich und die darf gestalten, dann kann ich auch mich selbst eher am Tisch sitzen sehen.

Gerade ich verstehe, dass politisch und parteilich organisiert zu sein Kraft und Nerven kostet. Aber irgendjemand muss anfangen, das System zu hinterfragen. Lasst uns Pionierinnen sein! Lasst uns den Kampf in diesem patriarchalen System auf uns nehmen für diejenigen, die gerade nicht kämpfen können. Für diejenigen, die nach uns kommen.

Das bedeutet aber auch: Frauen*, die ihr schon in den Parlamenten sitzt, schafft Platz für neue Frauen*. Wir brauchen nicht nur die Push- sondern auch die Pullbewegung. Nachwuchsförderung ist anstrengend, zeitraubend, schwierig – aber lohnenswert. Dafür braucht es aber auch Frauen*, die das Spiel satt haben. Die nicht mehr nach den alten Regeln spielen wollen, sondern sie bewusst brechen, um mehr Frauen* an den Tisch zu holen.

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Frauen*, entscheidet selbst!

Viele glauben, sie hätten mit Politik nichts am Hut – aber Politik ist überall. Vom Wasser in der Kloschüssel über die Anzahl der Laternen vor deiner Tür bis hin zur Innenstadtgestalt, zum Kita-Platz, zum öffentlichen Personennahverkehr: All das sind politische Entscheidungen.

Aktuell treffen diese Entscheidungen alte, weiße Männer, mehrheitlich ohne Kinder oder mit Frauen* zuhause, die ihnen seit jeher den Rücken freigehalten haben.

Du musst morgens eine Stunde eher los, weil du mit der späteren Bahn den Beginn des Meetings um 5 Minuten versäumst? Eine politische Entscheidung.

Ihr bekommt keinen Kita-Platz, weil zu wenig Betreuungsmöglichkeiten offen sind? Eine politische Entscheidung.

Es fehlt an Naherholungsgebieten, Freizeitaktivitäten, Kulturangeboten? Alles politische Entscheidungen.

Wie sicher du als Frau nachts von der Bahn nach Hause kommt, wie weit entfernt vom Eingang dein Auto steht, ob die Fußwege breit genug für den Kinderwagen sind, all diese Dinge entscheiden gerade mehrheitlich alte, weiße Männer. And it sucks.

Dich politisch zu engagieren bedeutet, mitgestalten zu können. Entscheidungen zu treffen, Abstimmungen beeinflussen zu können, deine Perspektive einzubringen. Dass junge Frauen* in den politischen Gremien fehlen bedeutet auch: Unsere Themen fehlen.

Wenn wir es nicht selbst machen, macht es niemand! Ist schade, ist aber so. Representation matters. Lasst uns anfangen, unsere eigenen Entscheidungen zu treffen!

Frauen* lasst euch wählen!

Du hast das Gefühl, du weißt nicht genug über Kommunalpolitik? Über Politik im Allgemeinen? Keine Sorge, dazu gibt es in Kürze einen eigenen Blogartikel. Kleiner Spoiler: Die meisten Ratsherren wissen vermutlich nicht viel mehr als du.

Die Strukturen machen Teilhabe für dich als Frau, als Mutter, als Person mit Migrationshintergrund oder Be_Hinderung nahezu unmöglich? Auch darüber werden wir sprechen, Lösungsansätze suchen und Positivbeispiele zeigen.

Dies hier ist erst der Anfang einer Reihe, von der ich mir erhoffe, euch zu motivieren. Mit mir zu kommen und ein System von innen heraus in seinen Grundfesten zu erschüttern. Ich hab es satt, dass wir immer nur mitgemeint sein. Ich habe es SO satt, immer nur nach den Regeln zu spielen. Lasst uns gemeinsam das Spiel neu erfinden!

*Disclaimer: Diese Aufforderung gilt genauso für Non-Binarys, Transpersonen, Queers, PoCs und Menschen mit Behinderung – oder auch jedwede marginalisierte Gruppe, die keine alten, weißen Männer sind.

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